Sonntag, 31. August 2008
Wer mich kennt, wird jederzeit bestätigen, dass ich schnell dabei bin, wenn es darum geht praktisch jedes Apple-Produkt in höchsten Tönen zu loben. Das iPhone - zu dessen stolzen Besitzern ich seit wenigen Tagen gehöre - macht da allerdings eine kleine Ausnahme. Es ist Apple hoch anzurechnen, dass sie ein Bedienkonzept gefunden haben, mit dem sich das normale Web auf das Telefon holen lässt und das sie über den Apple-Hype das mobile Internet in den Alltag vermarkten. Trotzdem hat das iPhone haufenweise Nachteile gegenüber anderen hochpreisigen Smartphones, daher hier eine kleine Liste die auf Nachfrage von Osterjour entstanden ist:
- T-Mobile
Ob das ein Nachteil ist, ist sicherlich Geschmackssache, aber auf jeden Fall ist man mit dem iPhone im Moment in Deutschland wahlweise an T-Mobile gebunden oder muss nach jedem Firmware-Update das iPhone wieder neu mit Hackertools entsperren. Ob man in der Preisklasse so viel Bastelarbeit mit seinem Handy haben möchte, muss wohl jeder selbst entscheiden. Einen weiteren Weg gibt es indem man das Telefon in einem Nachbarland kauft. Dort ist die Bindung an einen Provider stellenweise verboten und man kann Geräte ohne Sim- oder Netlock kaufen, so beispielsweise in Frankreich, Belgien und Italien (zu dem Thema interessant: The italian iPhone im iphoneblog)
- Bluetooth nur für das Headset
Tatsächlich ist in der aktuellen Firmware nur das Bluetooth-Headset-Profil implementiert. Damit ist nur Mono-Übertragung (kein A2DP) für Audio und kein Datentransfer, kein Visitenkartenversand, kein PC-Sync per Bluetooth mit dem iPhone möglich. Damit ist das iPhone wohl das einzige Smartphone am Markt, wo ein Bluetooth-Chipsatz verbaut und dann in seiner Funktion zu 90% eingeschränkt ist.
- iTunes
Apple arbeitet daran iTunes zur Schaltzentrale für Downloads zu machen. Was auf einem Apple-Rechner nicht stört, stößt manchem Windows-User sauer auf, daher sollte man sich klar sein, dass ein (nicht per Jailbreak geknacktes) iPhone ohne iTunes praktisch wertlos ist. Über iTunes läuft die Aktivierung des Telefons und später das Backup, die Kalender- und Adressbuchsynchronisation, die Softwareinstallation. Ganz pragmatisch bedeutet das auch, dass man als reiner Linux-User keinen Spaß am Apple-Telefon hat. Ohne OSX oder Windows läuft nichts.
- AppStore
Wie schon beim iTunes Music Store setzt Apple beim iPhone vor allem auf laufende Umsätze. Teil davon ist, dass es genau einen Weg gibt um Software auf das iPhone zu spielen. Dieser Weg ist der AppStore innerhalb von iTunes. Hier kassiert Apple 30% der Einnahmen und kontrolliert sehr genau, welche Programme ihren Weg in den Shop finden. Zusätzlich gibt es einen so genannten "Killswitch" mit dem Software auf dem Telefon nachträglich von Apple gelöscht werden kann.
Es gibt im AppStore mit mehr als 300 Applikationen und diversen kostenlosen Programmen ein reichhaltiges Angebot an Software das wesentlich leichter verfügbar ist als beispielsweise das Angebot an Symbian-Software - dort fehlt der zentrale Anlaufpunkt - aber Apple verhindert wirksam das aufkommen eines wirklich freien Softwaremarktes wo jeder seine Applikation entwickeln und auf das Gerät spielen kann.
- Keine Java-Unterstützung (J2ME)
Wie schon erwähnt gibt es keinen freien Softwaremarkt, daher wären die Möglichkeiten J2ME-Software zu installieren sowieso begrenzt. Aber unterstützt werden sie sowieso nicht, vielmehr müssen iPhone-Applikationen in C++ und mit dem Cocoa-Framework entwickelt werden. Das legt die Einstiegshürde für manchen Handy-Entwickler sicherlich höher, das Ergebnis sind aber sehr konsistent aussehende Programme die schnell starten.
- Keine Hintergrundprozesse
Ein schneller Start ist für iPhone-Applikationen allerdings essentiell: Um zu verhindern, dass ein Hintergrundprozess den Akku belastet, erlaubt Apple keiner 3rd-Party-Applikation im Hintergrund zu laufen. Mail, iPod und Safari sind hier scheinbar die einzigen privilegierten Programme. Als User merkt man davon allerdings erstaunlich wenig: Praktisch alle Programme schaffen es, ihren Status beim beenden zu speichern und beim nächsten Start wieder aufzunehmen. SSH-Clients und Chat-Programme bauen die Verbindung über einen Server des Herstellers auf und können so die Verbindung halten, auch wenn ein eingehender Anruf das Programm beendet.
Apple hat einen Push-Dienst angekündigt über den solche Programme das iPhone benachrichtigen können, wenn eine neue Nachricht hereinkommt. Der Server des Chatprogrammes könnte so zum Beispiel informieren, wenn man angeschrieben wird und das iPhone würde eine entsprechende Nachricht oder Badge am Icon des Programms darstellen. Dieser Push-Dienst ist bisher allerdings nur angekündigt und mehrfach verschoben worden.
- keine Nutzung als Modem am Computer
Auch das ist eigentlich ein Standardfeature in dieser Preisklasse: Das Handy sollte als Modem für den Computer dienen können und damit jederzeit Internetzugang ohne Hotspot-Suche ermöglichen. Offiziell geht das mit dem iPhone nicht. im Appstore war ganz kurz eine Software namens "Netshare" verfügbar die diese Funktion nachrüstete, Apple hat das Programm aber inzwischen wieder entfernt. In Deutschland bietet T-Mobile eine Behelfslösung an: Man kann zum iPhone-Vertrag eine MultiSIM bestellen, also eine zweite SIM-Karte. Zusammen mit einem UMTS-USB-Stick kann man dann die Datenflatrate aus dem Complete-Vertrag auch mit dem Notebook nutzen. (hierzu auch interessant: iPhone-Tarife und UMTS-Flatrate bei apfelquak)
- Onscreen-Tastatur
Das größte Feature ist gleichzeitig auch ein großer Kritikpunkt: Das iPhone verfügt über 5 Tasten. Alles andere wird über den Touchscreen abgewickelt. Während das Touch-Konzept sich wunderbar zum wählen von Rufnummern, vergrößern und verkleinern von Webseiten und zum scrollen eignet, macht die kleine QWERTZ-Tastatur auf dem Display bei längeren Texten wenig Spaß. Eine automatische Korrektur versucht Tippfehler abzufangen, manches Mal ersetzt sie aber auch richtig geschriebene Wörter durch kuriose - in keinem deutschen Wörterbuch zu findende - Buchstabenhaufen.
- empfindliche Oberflächen
Die Rückseite des iPhone ist mit Klavierlack beschichtet, wer einmal ein so lackiertes Gerät in der Hand hatte, weiss: Es ist praktisch in dem Moment verschmiert wo man es aus dem Karton nimmt. Auf der Vorderseite ist mit dem großen Touchscreen ebenfalls genug Raum um das Telefon zu verschmieren (unausweichlich durch die Touch-Bedienung) und zu verkratzen. Wie üblich liefert Apple ein Putztuch mit, eine Lederhülle wie für die iPods wäre aber sicherlich hilfreicher. Die PC World hat den unvermeidlichen Stresstest gemacht und das iPhone einige Male runterfallen lassen: Original iPhone Stress Test
- Akkulaufzeit
Das iPhone ist den gesamten Tag über online. Das klingt in der Werbung allerdings besser als es praktisch ist: In der Standardeinstellung hält das Telefon dauerhaft Verbindung mit Push-fähigen Mailservern (MobileMe, Yahoo Mail) oder holt im 15-Minuten-Takt Mails von den übrigen Accounts ab. Das große, hochauflösende Display fordert ebenfalls seinen Tribut. Mindestens einmal täglich muss das iPhone an ein Ladekabel, bleibt der besagte Mailabruf in der Standardeinstellung, sollte man 2-3 Mal pro Tag aufladen können.
Wem das noch nicht genügt, dem sei der iPhone Test von engadget nahegelegt: The only iPhone 3G review you will ever need.
Abschließend noch eine Klarstellung: Ich habe das alles gewusst, bevor ich mein iPhone bestellt habe und würde es auch jederzeit wieder kaufen. Es gibt aktuell aus meiner Sicht keine Alternative zum iPhone wenn man jederzeit Internetzugang und vollen Zugriff auf Emails haben möchte. Das bedeutet aber gleichzeitig nicht, dass Apple alles richtig gemacht hat. Manches Feature an meinem alten Nokia - wie die Bluetooth-Datenverbindung oder eine Akkulaufzeit von mehr als einem Tag - vermisse ich. Den obligatorischen Absturz beim öffnen von Email allerdings nicht.
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Der erste iPhone-Nachteil aus meiner Liste ist wohl auch der größte: T-Mobile. Gerade hatte ich vor mich endlich um die Übernahme meiner alten Rufnummer zu kümmern. Diese Rufnummer ist nunmehr seit meinem ersten Laufzeitvertrag die selbe, hat den Weg von
Aufgenommen: Sep 04, 23:16
Gerade habe ich auf Mac Rumors gelesen, dass es mit dem nächsten Firmware-Update für das iPhone wohl Hintergrundprozesse auch für Applikationen aus dem AppStore erlaubt werden sollen. Wenn das tatsächlich stimmt, dann würde das eine große Schwäc...
Aufgenommen: Feb 06, 10:09